Forschungsprofil
Research Profile

Meine Veröffentlichungen auf www.ujschneider.de sind thematisch gegliedert. Das soll der leichteren Orientierung dienen. Zugleich ist zu sagen, dass die Themen durch ein Forschungsprofil verknüpft sind, das wohl kulturwissenschaftlich genannt werden kann.

Meine frühesten Forschungen betrafen die Philosophie und die Historiographie der Philosophie. Philosophen aller Kulturen hatten und haben jederzeit eine Vorstellung von Philosophie, die sowohl die Vergangenheit wie die Zukunft betrifft. Es bilden sich aber auch andere Menschen eine Vorstellung von Philosophie, beispielsweise Kulturhistoriker, und das insbesondere seit dem 18. Jahrhundert. Es war das Anliegen meiner 1990 publizierten Dissertation (Die Vergangenheit des Geistes. Eine Archäologie der Philosophiegeschichte), diskursive Verfahren zu analysieren, mit denen man die Geschichte des Denkens vorstellbar und erzählbar machte.

In der 1998 veröffentlichten Habilitation (Philosophie und Universität. Historisierung der Vernunft im 19. Jahrhundert) habe ich die Praxis des akademischen Philosophierens untersucht – auch vergleichend zwischen Frankreich, England und Deutschland, wenn es um publizierte Philosophiegeschichten ging. Die in den Blick genommene Kultur der Philosophie ist hier der Unterricht, ohne den sich weder das Fach reproduzieren noch das Wissen über Philosophie vermehren kann.

Parallel zu den Forschungen im Rahmen einer pragmatischen Kulturwissenschaft der Philosophie habe ich Texte zeitgenössischer französischer Denker übersetzt (etwa Gilles Deleuze) und kommentiert (etwa Michel Foucault). Zu Foucault, bei dem ich 1980 in Paris Vorlesungen besuchte, habe ich 2004 eine Monographie vorgelegt. Er bleibt ein für mich wichtiger Kopf, mit dem mich auseinandersetze, sofern es die Zeit erlaubt.

Meine berufliche Tätigkeit in Bibliotheken (1999-2005 an der Herzog August Bibliothek Wolfenbütttel, seit 2006 an der Universitätsbibliothek Leipzig) schränkt das Zeitkontingent für kulturwissenschaftliche Forschungen ein. Zugleich habe ich dadurch neue Themen entdeckt, vor allem die Enzyklopädistik und die Bibliotheksgeschichte. Beide Themen exploriere ich gelegentlich durch Ausstellungen und auch durch Lehrveranstaltungen am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig, an dem ich seit 2007 durchgängig unterrichte.

Wenn ich weiter als Forscher arbeite, dann mit einer starken Aufmerksamkeit auf die Praxis intellektueller Produktionen, Tätigkeiten und Arbeitsformen sowie mit einer Neugier auf dafür einschlägige Gegenstände – nicht zuletzt das gedruckte Buch. Die Gestaltungspraxis der frühesten europäischen Drucker habe ich zuletzt als Problem der Sinngebung durch das Seitenlayout thematisiert (Textkünste. Buchrevolution um 1500).

Meine Vortragstätigkeit – wenn nicht direkt veranlasst durch Herausforderungen der Bibliotheksleitung (siehe auch Interventionen) – gilt der Vertiefung von Forschungsansätzen und dem Dialog mit Gleichgesinnten. Die stimulierende Kraft des freundschaftlich-kritischen Gesprächs erfahre ich seit 2006 auch im Leipziger Thomasius-Club (www.thomasius-club.de) und in anderen Formaten des Gedankenaustauschs, die ich gerne suche.

Figuren des Sprechens und Figuren des Tuns haben mich fasziniert, weil nur über die Einsicht in geprägte Formen des Denkens und Handelns wissenschaftliche und künstlerische Innovationen deutlich genug hervortreten. Mir genügen solche Sätze zur Charakterisierung eines Forschungsprofils, das – mit dem Blick auf fast vierzig Jahre – weniger als ein konturiertes Profil definiert, als vielmehr aus der tatsächlichen Forschungsarbeit hergeleitet werden sollte.

Ulrich Johannes Schneider, im April 2018