Forschungsprofil
Research Profile

Meine Veröffentlichungen sind auf dieser Webseite thematisch nach verschiedenen Gruppen aufgeführt. Das ist nicht selbstverständlich. Zur Erläuterung gebe ich hier kurze Hinweise zu meinem Weg von der Philosophie in die Wissensgeschichte (als Kulturwissenschaftler) und in die Bibliothekskultur (als Bibliotheksdirektor und Ausstellungsmacher).

Meine akademischen Arbeiten zur Geistesgeschichte bewegen sich vor allem in den europäischen Traditionen vom 17. zum 20. Jahrhundert. Im Vorfeld der Dissertation ("Die Vergangenheit des Geistes. Eine Archäologie der Philosophiegeschichte", 1990) habe ich ein Forschungsfeld rund um die Philosophiegeschichtsschreibung bearbeitet, das auch noch die Habilitationsschrift ("Philosophie und Universität. Historisierung der Vernunft im 19. Jahrhundert", 1999) bestimmt. Neben den Veröffentlichungen zur Philosophie betreffen die Arbeiten zur Philosophiegeschichte auch den kulturellen Umgang mit der Philosophie, etwa ihre Rolle in Bildung und Unterricht.

Eine wichtige Auseinandersetzung um Philosophie und ihre Rolle in der demokratischen Gesellschaft war der Streit um die Abwicklung der DDR-Philosophie, in dem ich Mitte der 1990er Jahre eine kritische Position bezog, was wiederum eine deutschlandweite Debatte auslöste. Diese ist inzwischen allerdings ein nur noch historisches Thema.

Etwa seit 2011 habe ich meine Forschungen zur Philosophie und zur Philosophiegeschichte beendet. Ich führe diese Themen aber durchaus in Seminaren und Vorlesungen fort und betreue Studierende bei Abschlussarbeiten in Philosophie und Kulturwissenschaft (siehe Betreute Arbeiten). Ebenfalls als eines meiner Forschungsthemen abgeschlossen ist die Beschäftigung mit der Philosophie von Michel Foucault, der mich 1980 bei einem Studienaufenthalt in Paris stark beeindruckte und dessen Werk ich in zahlreichen Publikationen erläutert habe (siehe die Monographie "Michel Foucault", 2004). Auch hier gilt, dass ich als akademischer Lehrer die Beschäftigung mit dieser wirkmächtigen Philosophie des späten 20. Jahrhunderts weiterführe.

Mein neues Forschungsfeld seit 2003 kann grob mit Wissensgeschichte umschrieben werden und umfasst insbesondere die Geschichte der Enzyklopädistik seit dem 18. Jahrhundert (siehe die Monographie "Die Erfindung des allgemeinen Wissens. Zum enzyklopädischen Schreiben im Zeitalter der Aufklärung", 2013). Die Geschichte der Enzyklopädistik bleibt ein Arbeitsgebiet für mich, wie neuerdings auch die Bibliotheksgeschichte, die vielleicht einmal zu einer größeren Arbeit über die (gegenwärtig im Umbruch befindliche) Institution Bibliothek führen soll. Was mich nachhaltig fasziniert, sind Wissensliteraturen und damit verbundene Textkulturen, die in den letzten Jahrhunderten für unser Denken und Handeln maßgeblich wurden.

Schließlich Interventionen: Die Umbrüche der digitalen Revolution unserer Tage führen vielerorts zu Diskussionen, und als Kenner der Enzyklopädie- und Bibliotheksgeschichte erhalte ich des Öfteren Einladungen zu kleineren Texten oder Interviews, die ich gesondert von den rein wissenschaftlichen Arbeiten aufführe. Es sind Beiträge zur Meinungsbildung über die sich ändernden technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Formationen der Wissensgesellschaft.

Siehe zu weiteren Arbeitsfeldern auch Vorträge, Ausstellungen, Texte in Arbeit.

Ulrich Johannes Schneider, im Januar 2014